Entwicklung
von UMTS-Standards und Patente für die nächste Mobilfunkgeneration |
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| HPI Potsdam, www.hpi.uni-potsdam.de Integrierter Wettbewerb für Softwaresysteme II: Standards, Monopole, Patente WS 2000/2001, Dipl.-Inform. Michael Strerath |
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3. Der MobilfunkmarktBis zum Jahr 2010 werden voraussichtlich mehr als eine Milliarde Menschen
mit UMTS kommunizieren. Nach einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 31. Januar 2001 sind jedoch die Endverbraucherpreise für den Mobilfunk stark zurückgegangen: Im Januar 2001 zahlten die privaten Haushalte unter der Annahme eines unveränderten Gesprächverhaltens 14,7% weniger für das Mobiltelefonieren als im Januar 2000. Eine verlässliche Abschätzung für das Gesamtvolumen des kommenden UMTS-Marktes lässt sich wegen zu vieler unwägbarer Faktoren und Risiken nicht ermitteln; gerade nach dem für die Telekommunikationsbranche turbulenten Jahr 2001 gehen die Prognosen der Marktforscher für den Gesamtmarkt zu weit auseinander, um noch als aussagekräftig gelten zu können. Beispiele aus DER SPIEGEL 46/2001 hierzu:
Der UMTS-Markt lässt sich analog zu den Interessengruppen aufteilen: verdient wird am Betrieb der Netze, Netzaufbau, -erweiterung und -wartung, den Endgeräten und an Zusatzdiensten wie Messaging. Der Fokus dieser Untersuchungen liegt auf dem deutschen und dem europäischen Markt.
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| Firma | Umsatz 2000 in DM | Anzahl Mobilfunkkunden | Netz in Betrieb seit |
| T-Mobile | 13 Milliarden | 22,6 Millionen | 1992 |
| D2-Vodafone | 10 Milliarden* | 20 Millionen | 1992 |
| E-Plus | 4.6 Milliarden | 7.53 Millionen | 1994 |
| Viag Interkom | 3.1 Milliarden | 3.2 Millionen** | 1998 |
| Gesamt | 30.7 Milliarden | 53.33 Millionen |
*) 1999
**) mit Festnetzkunden von BT Ignite
Diese Aufstellung ergibt einen geschätzten mittleren Jahresumsatz
von etwa 575.-DM pro Kunde. Allerdings würden die Shareholder der
Netzbetreiber ihre Erwartungen ohne die Einführung der neuen Technik
UMTS noch weiter dämpfen müssen, da der deutsche Markt bereits
eine recht hohe Sättigung aufweist, der Wettbewerb zwischen den Firmen
jedoch stärker werden wird.
Man kann davon ausgehen, dass diese Umsätze von etwa 600.-DM pro
Kunde und Jahr mit der neuen Technik UMTS noch weiter gesteigert werden
können - wegen der zusätzlichen Datendienste und nicht zuletzt,
da die Betreiber voraussichtlich auch mehr an kostenpflichtigen Diensten
verdienen werden als mit heutigen Angeboten wie dem erfolglosen WAP. Dieser
Aspekt soll im folgenden behandelt werden.
Eines der größten Phänomene im europäischen Mobilfunkmarkt ist der Nachrichtendienst SMS. Ursprünglich zum Nachrichtenaustausch von Gerät zu Gerät zwischen verschiedenen Netzbetreibern konzipiert, stellt der Kurznachrichtendienst heute eine der größten Einnahmequellen für die Netzbetreiber dar. Diese Entwicklung ging innerhalb kürzester Zeit und ohne großen Aufwand für Technik und Marketing vonstatten. Die GSM Association geht von 23 Milliarden Textnachrichten weltweit in den GSM-Netzen im September 2001 aus - im Dezember 2001 sollen es bereits 30 Milliarden Nachrichten werden.
In Hinsicht auf UMTS wollen die Netzbetreiber in diesem Bereich weitere Dienste anbieten, etwa Erweiterungen der heutigen Textnachrichten hin zu Enhanced Messaging Services (EMS) und Multimedia Messaging Services (MMS), mit denen dann zum Beispiel das - natürlich kostenpflichtige - Versenden von mit den Endgeräten erstellten Bildern möglich sein soll.
Weiterhin sind von den heute versendeten Kurznachrichten nur etwa zehn Prozent Abonnementdienste wie Nachrichten oder Sonderdienste wie das Herunterladen von Klingeltönen. In diesem Bereich kann der Ertrag durch UMTS ebenfalls gesteigert werden, beispielsweise durch Telematikdienste, Kurzfilme oder Onlinespiele, die von den Netzbetreibern oder ihren Partnern angeboten werden.
Datacomm Research veröffentlichte Ende 1999 die Studie "Wireless
Web Wonders: Opportunities For Smart Phones & PDAs"; der Autor
ist der ehemalige Marketingleiter von U.S. Robotics. Er geht davon aus,
dass bis zum Jahr 2003 insgesamt über 350 Millionen UMTS-fähige
PDAs und Smartphones verkauft werden.
Unterstützt wird diese Schätzung von den riesigen Absatzzahlen
von PDA-Herstellern wie Palm Computing und Compaq. Ira Brodsky, President
von Datacomm Research, geht weiterhin davon aus, dass bis 2005 neun von
zehn verkauften Mobiltelefonen zur Kategorie der Smartphones gehören
werden - jene hochpreisigen Geräte, die die Funktionen von Personal
Digital Assistant und Handy vereinen. Im Jahr 2005 wird dann auch der
Markt für diese UMTS-Geräte größer sein als der für
Personal Computer.
Bereits heute ist der Trend hin zu Smartphones sichtbar: für aktuelle
Highend-Mobiltelefone sind Funktionen wie Terminverwaltung, Memoapplikation
und Bluetooth-Schnittstelle bereits Pflicht. Für verschiedene PDAs
gibt es dagegen Erweiterungen, die GSM-Datenanbindung und Telefonie mit
dem Handheld ermöglichen.
Es ist davon auszugehen, dass UMTS-Geräte aufgrund der komplexen
Technik teurer werden als heutige GSM-Telefone. Erwartet werden UMTS-Geräte
mit hochauflösenden Displays und neuen Funktionen, um die hohen Datenraten
von UMTS auch nutzen zu können; die aktuellen Chipsätze der
Firma Qualcomm etwa integrieren bereits Funktionen wie Satelliten-Ortsbestimmung,
Bluetooth-Anbindung und Multimediafunktionen.
Mit solchen Multifunktionsgeräten wird dann auch die Gewinnspanne
für die Hersteller höher ausfallen. Ein weiterer Aspekt ist
die Notwendigkeit von Multimode-Endgeräten: wegen der zunächst
im Gegensatz zu heutigen Netzen relativ geringen prozentualen Flächenabdeckung
werden Hybridgeräte notwendig sein, die sowohl UMTS als auch bestehende
digitale Netze nutzen können. Auch dieser Faktor wird den Preis für
Geräte in die Höhe treiben.
Verdienen werden die Endgerätehersteller aber vor allem dadurch, dass die momentane Marktsättigung durch die neue Technik überwunden wird. Besonders in Deutschland wurden bis vor wenigen Monaten Kunden durch massive Subventionierung der Telefone gewonnen: die Zweijahresbindung an den Netzbetreiber wurde durch das Verschenken von hochwertigen Geräten versüßt. Von diesem Vorgehen der Betreiber zum Gewinnen von Marktanteilen profitierten die Gerätehersteller, da auf diese Weise ein hoher Anteil teurer Handys in Umlauf kam. Ohne die neue Netztechnik und die damit verbundenen Geräteanschaffungen würden spätestens ab 2003 die Absatzzahlen von Herstellern wie Siemens, Nokia und Motorola in dieser Sparte drastisch zurückgehen.
Die Bereitstellung und Installation der Kern- und IP-Netze scheint einer der wenigen Bereiche zu sein, für die bereits verbindliche Aussagen getroffen werden können.
Eine D2-Vodafnone-Pressemeldung vom 23. November 2000:
D2 bestimmt UMTS-Systemlieferanten
Milliardenauftrag zu gleichen Teilen an Ericsson und SiemensDüsseldorf, 23. November 2000. D2 setzt auf erfolgreiche Partnerschaften: Das Düsseldorfer Unternehmen hat jetzt seine bisherigen Hauptlieferanten Ericsson und Siemens zu gleichen Teilen mit der Bereitstellung der UMTS-Systemtechnik für das D2-Netz beauftragt. Das Auftragsvolumen beträgt je Vertragspartner rund eine Milliarde Mark bis Ende 2002. Bereits in den nächsten Monaten werden die ersten Netzkomponenten geliefert und installiert.
Insgesamt wird der Aufbau der UMTS-Netze und die Erweiterung bestehender Netze europaweit Investitionen von geschätzten 250 Milliarden Mark erfordern - eine weitere Belastung für die Netzbetreiber, die für die Lizenzen in Europa bereits nochmals eine viertel Billion Mark bezahlt haben.
Eine Besonderheit bei den Mobilfunknetzen besteht darin, dass die Investitionen nicht nur den Aufbau der Mobilfunkzellen betrifft, sondern auch deren Anbindung an kabelgebundene Netze. Dieser Ausbau der öffentlichen Fernsprechnetze (public switched telephone network, PSTN) und Datennetze bietet ebenfalls riesige Auftragsvolumen und kann schon als eigenständiger Markt innerhalb der UMTS-Entwicklungen gesehen werden.
Gewinner im Bereich der Netztechnik sind etablierte Konzerne wie Ericsson, Siemens und Lucent, die ihre Erfahrung einbringen können. Allerdings handelt es sich hier primär um wenn auch hohe, so doch einmalige Ausgaben: die Anfangsinvestitionen für den Aufbau der Netze übersteigen die Betriebskosten der Technik bei weitem.
Die Technik hinter dem Standard UMTS ist darauf ausgelegt, dem Kunden
weltweites Roaming zu ermöglichen; und auch außerhalb Europas
gibt es für die beteiligten Firmen natürlich hochinteressante
Märkte. Hohe Gewinne erwarten Telekommunikationsunternehmen etwa
in Japan; es ist davon auszugehen, dass hier die neue Technik UMTS am
schnellsten aufgenommen wird. Den größten Wachstumsmarkt weltweit
wird jedoch langfristig wohl China (momentan 1,3 Milliarden Bewohner,
30% Stadtbevölkerung) darstellen.
Doch auch die Vereinigten Staaten betreffend lassen die Zahlen aufhorchen:
laut den Informationen von US-Market.de telefonieren in den USA erst 30%
der Bevölkerung mobil; nach den asiatischen Märkten wird dies
wohl der größte Wachstumsmarkt im Bereich der Telekommunikation
sein. Besonders interessant wird der US-Amerikanische Markt laut Informationen
von Dr. Paul E. Jacobs (Präsident des Handy-Pioniers Qualcomm) dadurch,
dass bei den 15- bis 19-Jährigen im Bereich der Mobilen Telekommunikation
erst eine Marktdurchdringung von gerade einmal 15 Prozent vorliegt. Das
sei aber genau diejenige Zielgruppe, die neue Geräte und Services
als erste akzeptiert.
Die gigantischen Ergebniszahlen des heutigen Marktes der mobilen Telekommunikation sind beeindruckend. UMTS wird diesen Markt dann in großem Ausmaß erweitern, wenn die neue Technik in den Haushalten und Firmen auch bestehende Technik wie breit- und schmalbandige Datenanbindungen und kabelbasierte Telefonie ersetzt: UMTS als universale Kommunikationsschnittstelle, ein riesiger, globaler Markt.
Doch um auf den Anfangs genannten Artikel im SPIEGEL 46/2001 noch einmal zu zitieren: "Vielleicht steht die einstige Glitzerbranche mit dem Einstieg in die nächste Mobilfunkgeneration [...] vor dem vielleicht größten Risiko in der modernen Industriegeschichte". Sollten die Kunden UMTS nicht akzeptieren und statt dessen etwa auf günstige Pakete von GSM-Mobilfunk, althergebrachter kabelgebundener Telefonie und heute verfügbaren breitbandigen Datenanbindungen wie DSL zurückgreifen, könnte UMTS zum wirtschaftlichen Desaster für die beteiligten Firmen werden. Weitere Konkurrenz besteht durch die heute schon verfügbaren Migrationstechnologien wie HSCSD und GPRS.
Joanna Shields (Vice President von Real Networks Europe) hielt auf der Messe "Internet World Berlin 2001" eine Keynote zum Thema Streaming Media, in der sie sagte: "Content drives platform revenue". Es müssen auch den potenziellen UMTS-Kunden neue Dienstleistungen, Programme und Anwendungen geboten werden, damit die neue Technik akzeptiert wird. Erst wenn diese Anwendungen feststehen wird sich die Akzeptanz von UMTS bestimmen lassen - und damit der Umfang des unsichersten Wachstumsmarktes dieses Jahrzehnts.