4. Technologien im Umfeld von UMTS
GSM: More than a technology... it's a way of life.
-GSM Association
4.1 Anwendungen und Dienste mit 3G
UMTS-Netze sollen bei langsam bewegten Endgeräten Datenverbindungen
mit bis zu 2MBit/s und mobil mit bis zu 384kBit/s ermöglichen. Damit
ist erstmals auch mobiler Zugriff auf umfangreiche Datenmengen möglich;
multimediale Inhalte wie Video und Musik sollen drahtlos auf Geräte
übertragen werden, die nicht größer sein werden als heutige
Mobiltelefone.
An Beispielen zu Anwendungsmöglichkeiten fehlt es den beteiligten
Firmen dabei nicht, es werden alle möglichen Anwendungen von "Ansehen
des Trailers schon auf dem Weg zum Kino" über die "Benachrichtigung
über die Happy Hour in der Kneipe um die Ecke" bis hin zu Videokonferenzen
zwischen Mitgliedern einer Arbeitsgruppe genannt - es sind aber auch viele
Anwendungen dabei, die auch ohne UMTS nicht ganz unmöglich erscheinen.
So wäre das Einchecken zu einem Flug auch mit heutiger Technik möglich
oder die Navigation per Handy (in Verbindung mit GPS oder Geräteortung
durch die Mobilfunkmasten) denkbar.
Langfristig peilen die Anbieter mit den 3G-Technologien die "Wireless
Information Society" an: vor allem im privaten Bereich soll UMTS
die bestehenden Kommunikationssysteme ersetzen, also existierende Telefon-
und Datenanschlüsse überflüssig machen. Die Kommunikation
mit anderen Geräten wie dem stationären PC Zuhause kann dabei
ebenfalls kabellos erfolgen: mit Bluetooth steht die passende Technik
dazu schon bereit.
4.2 Kurze Mobilfunk-Historie
Analoge Netze - die erste Generation
Bundeseinheitliche Mobilfunknetze existieren in Westdeutschland, seitdem
das A-Netz 1959 eingeführt wurde. Diese analogen Mobilfunksysteme
werden als "Erste Mobilfunkgeneration" bezeichnet und boten
ausschließlich Dienste, wie man sie von einem analogen Telefonanschluss
kennt. Das erste Netz, in dem den die Nutzer unter einer bundesweit einheitlichen
Vorwahl erreichbar waren, war das 1985 in Betrieb genommene C-Netz. Dieses
für seine Zeit sehr erfolgreiche Netz (im Jahr 1993 850 000 Kunden)
erreichte nahezu 100% Flächenabdeckung und ermöglichte auch
erste Datendienste wie Faxübertragungen. Außerdem ebnete es
der Gerätetechnik den Weg: 1992 stellte Nokia das erste Gerät
vor, das mit unter 500 Gramm Gewicht wirklich mit einer Hand getragen
werden konnte - bald waren mehrere Kilogramm schwere Mobilgeräte
endgültig passé.
In Deutschland wurde die Ära der analogen Mobilfunknetze mit der
Abschaltung des C-Netzes zum 01.01.2001 besiegelt; doch weltweit sind
noch viele analoge Netze in Betrieb. So nutzen etwa drei Viertel der US-Amerikanischen
Mobilfunkkunden noch Telefone nach dem analogen AMPS-Standard. AMPS ist
durch den Standard ANSI-136 definiert und zu keinem europäischen
System kompatibel.
In Brasilien investierte Mannesmann noch 1997 in den Neuaufbau eines Systems,
welches dem ehemaligen deutschen B-Netz entspricht.
Vorbereitung auf den Massenmarkt: die digitalen Mobilfunksysteme
Der Nachfolger der analogen Netze wird in Deutschland Mitte 1992 eingeführt
und entwickelt sich zu einem echten Massenprodukt: das volldigitale D-Netz.
Basierend auf dem GSM-Standard arbeiten die Netze der Deutschen Telekom
und von Mannesmann Mobilfunk im Frequenzbereich um 900 MHz und bieten
gegenüber den analogen Netzen vor allem eine verbesserte Sprachqualität,
aber die GSM-Technik bietet den Kunden auch Datendienste mit 9,6 kBit/s
und Zusatzdienste wie den Kurznachrichtendienst SMS. Weiterhin wurde durch
die vor allem in Europa einheitliche GSM-Technik und internationale Roamingabkommen
unter den Anbietern in verschiedenen Ländern auch das Telefonieren
im Ausland möglich. In Deutschland gehen mit E-Plus (1994) und Viag
Interkom (1998) weitere zwei Anbieter in einem neuen Frequenzband um 1800
MHz an den Start.
Die auf dem digitalen GSM-Standard basierenden Systeme wurden in letzter
Zeit um weitere Datendienste erweitert und werden als Netze der "Zweiten
Mobilfunkgeneration" zusammengefasst. In Europa sind heute GSM 900
und GSM 1800 verbreitet. In den USA dagegen hat sich noch ein weiterer
GSM-Standard mit 1900 MHz (GSM-PCS) etabliert, da die Frequenzen um 900
und 1800 MHz dort nicht verfügbar waren (militärische Nutzung).
Zukünftige Systeme: 3G
Nun steht die "Dritte Mobilfunkgeneration" vor der Tür:
die Verbindung von Telefonie und Datendiensten mit hohen Übertragungsraten.
Dabei ist UMTS ein Bestandteil der Vision "IMT-2000" der International
Telecommunication Union bezüglich eines globalen Standards von mobilen
Kommunikationssystemen der dritten Generation (3G). In den Netzen der
dritten Generation sollen zu den Nutzungsmöglichkeiten der heutigen
Netze hochwertige Breitbandinformationen, Handelsdienstleistungen und
Unterhaltungsservices hinzukommen. Eine große Rolle spielen dabei
auch Techniken, die bereits in bestehenden Netzen genutzt werden.
Für diese Systeme sind vorerst Frequenzen um 2GHz geplant; in Deutschland
wurden Frequenzblöcke zwischen 1900 und 2170MHz vergeben. Die ETSI
hat für eine spätere Erweiterung der UMTS-Netze drei weitere
Frequenzbereiche definiert, die sich mit den heute für den Mobilfunknetzen
genutzten Frequenzbereichen überschneiden - damit gibt es die Option
der Nutzung von "alten" Frequenzen für Systeme der dritten
Generation. Ähnlich wurde bereits in den Siebzigern vorgegangen,
als in Deutschland A-Netz-Frequenzen für den Nachfolger, das B-Netz,
verwendet wurden.
Für einen UMTS-Funkkanal ist eine Bandbreite von 5MHz festgelegt
worden, doch diese Bandbreite wird wegen neuer Kodierungsverfahren weit
besser genutzt als in bestehenden Netzen.
4.3 Technische Grundlagen
4.3.1 Leitungs- vs. Paketvermittlung
Oft genannt im Zusammenhang mit UMTS wird das Stichwort "always
online", es wird auch bereits für das Marketing einiger Migrationstechnologien
zu 3G genutzt. Im UMTS-System wird es verschiedene Modi geben, die die
ständige Datenverbindung bieten werden.
Bei einer leitungsvermittelten Verbindung wird eine ständige Leitung
zwischen zwei Teilnehmern aufgebaut - also eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung
wie in der klassischen Telefonie. Vorteil hierbei ist die relativ einfache
Aufbau der Technik, so ist beispielsweise kein aufwändiges Routing
entlang der Strecke notwendig. Allerdings ist die Leitungsressource, im
Fall der Anbindung eines Mobilfunkgerätes also die Frequenz, auch
belegt, wenn keine Daten übertragen werden.
Bei der paketvermittelten Verbindung dagegen besteht kein exklusiver
Übertragungskanal. Die zu transportierenden Daten werden wie im Internet-Protokoll
IP in einzelne Datenpakete aufgeteilt, wobei jedes Paket Zielinformationen
enthält. Einzelne Pakete können verschiedene Routen nehmen;
ein Resultat ist eine bessere Ausnutzung der gegebenen Bandbreite. Mit
diesem Vorgehen kann im Allgemeinen auch eine höhere Ausfallsicherheit
gewährleistet werden, da ausgefallene Stationen entlang der Strecke
durch Wahl einer anderen Route kompensiert werden können.
Bei verschiedenen Anwendungen muss "always on" gegeben sein,
die ständige Erreichbarkeit ohne vorherigen Nutzereingriff hat zum
Beispiel zum Erfolg des SMS-Systems beigetragen. Ein weiterer Vorteil
ist der Zugang zu verschiedenen Daten und Diensten ohne eine Verzögerung
durch vorherige Einwahl. Dies dient nicht nur der Bequemlichkeit, sondern
ist für Anwendungen wie die Authentifizierung beim Bezahlen von Waren
erfolgsentscheidend - bei solchen Diensten könnte schon eine Verzögerung
im Bereich von 20 Sekunden die Akzeptanz eines neuen Systems verhindern.
Entsprechend der technischen Vorgabe der ständigen Verbindung werden
sich auch die Abrechnungsmodelle für verschiedene Dienste ändern:
die übertragene Datenmenge zählt, nicht die Zeit, in der eine
Verbindung aufrechterhalten bleibt (Airtime). Allerdings führen beispielsweise
die Deutsche Telekom und T-Online vor, wie wenig technische Gegebenheiten
mit den Entgelten zu tun haben müssen: für das T-DSL-Angebot,
also eine Standleitung über Kupferadern, ist auch die Berechnung
im Minutentakt möglich.
Die für UMTS verwendete Übertragungs- und Vermittlungstechnik
wird auf ATM (Asynchronous Transfer Mode) basieren, obwohl ATM ursprünglich
für kabelgebundene Netze entwickelt wurde. ATM ist durch die International
Telecommunication Union standardisiert und für verschiedene Leitungen
definiert. Nutz- und Steuerinformation werden gemeinsam in Zellen mit
einer festen Größe von 53 Byte übertragen. Dabei wird
eine asynchrone Übertragung verwendet: die einzelnen ATM-Zellen eines
Datenstroms können ähnlich wie bei TCP/IP verschiedene Routen
nehmen und werden erst beim Empfänger wieder zusammengesetzt.
4.3.2 Symmetrische vs. Asymmetrische Übertragungen
Bei einer Verbindung eines PCs ins Internet, bei Recherchen in Datenbanken
oder bei Broadcast-Anwendungen werden von den Endgeräten meist mehr
Daten empfangen als gesendet. Daher wurden Techniken entwickelt, die dem
"Upstream", also dem Weg hin zur Gegenstelle, weniger Bandbreite
einräumen als dem "Downstream". Solche Verfahren werden
bei Analogmodems (33,6kBit/s Upstream, max. 56kBit/s Downstream) oder
dem T-DSL-Angebot der Deutschen Telekom (128kBit/s Upstream, 768kBit/s
Downstream) verwendet. Ein Resultat der asynchronen Übertragungsraten
ist die bessere Auslastung der Bandbreite in Hinsicht auf den Dienst.
Symmetrische Übertragung ist dagegen sinnvoll für (typischerweise
leitungsvermittelte) Sprach- oder Bildtelefonverbindungen - UMTS wird
voraussichtlich beide Übertragungsmodi bieten.
4.3.3 Optimale Nutzung der Frequenzen durch Zellen und Kodierungen
Die Luftschnittstelle ist eine begrenzte Ressource; dies wurde nicht
zuletzt bei den Lizenzversteigerungen deutlich, bei denen sich die meisten
Regierungen als "Besitzer" der Frequenzen dieselben quasi vergolden
ließen - anders als noch in den achtziger Jahren, als die Frequenzen
für private Radio- und Fernsehsender kostenlos vergeben wurden. Ein
besonderer Punkt hierbei, der in der Berichterstattung um die Frequenzvergaben
nicht deutlich hervortrat: die Gewinner der deutschen Auktionen haben
nur ein Nutzungsrecht für die nächsten zwanzig Jahre, und das
verbunden mit verschiedenen Auflagen. So müssen die Netzbetreiber
beispielsweise bis 2005 mindestens 50 Prozent der Bevölkerung UMTS
anbieten können.
Die Knappheit der verfügbaren Frequenzen führte schon bei früheren
Funknetzen zur Anwendung von verschiedenen Techniken, die die Ausnutzung
der verfügbaren Kanäle verbessern.
Moderne Mobilfunknetze sind in einer Zellstruktur aufgebaut. In der Mitte
jeder Zelle befindet sich ein Funkturm bzw. eine Funkantenne, die die
Funkversorgung für verschieden große Bereiche sicherstellen.
Durch die geografisch getrennten Zellen können die verfügbaren
Frequenzen mehrfach verwendet werden. Auch UMTS-Netze werden zellular
aufgebaut sein. Durch die techische Ausstattung der Funkstationen und
die Größe der Zellen wird im UMTS auch die Verfügbarkeit
der verschiedenen Serviceprofile bestimmt. Eine Besonderheit im neuen
System ist die Aufteilung der Sendeleistung auf die Nutzer: die Funkleistung
pro Teilnehmer ergibt sich aus
Gesamtleistung der Zelle/Anzahl aktiver Nutzer in der Zelle.
Dadurch ändert sich die Größe einer UMTS-Zelle abhängig
von der Anzahl der aktiven Nutzer und den verwendeten Serviceprofilen.
Dieser Effekt wird als Zellatmung bezeichnet.
Auf der Einteilung in Zellen aufbauend wird mit verschiedenen Kodierverfahren
erreicht, dass
-mehrere Nutzer eine Frequenz gleichzeitig nutzen können und
-die dann noch gegebene Bandbreite optimal genutzt wird.
4.4 Kodierverfahren
Die in Verbindung mit den 3G-Netzen verwendeten Kodierverfahren sollen
hier vorgestellt werden; sie tragen einen hohen Anteil an den IPR-Verwicklungen
rund um UMTS, da in den verschiedenen UMTS-Profilen verschiedene Kodierverfahren
zur Anwendung kommen und gleichzeitig die Rückwärtskompatibilität
zu den Systemen der zweiten Generation gegeben sein muss. Diese verschiedenen
Standards sind durch eine hohe Anzahl von essentiellen Patenten geschützt.
4.4.1 FDMA
Frequency Division Multiple Access
FDMA basiert auf der Aufteilung eines gegebenen Frequenzbandes in viele
Unterkanäle. Diese Technik könnte zwar prinzipiell auch bei
digitalen Systemen verwendet werden, wird aber nur bei den analogen Mobilfunksystemen
benutzt. Hier kommt Frequenzmodulation zur Anwendung, um die Signale über
die Funkwellen zu übertragen. FDMA gilt aus zwei Gründen als
nicht effizient:
-Jeder der analogen Kanäle kann nur durch eine Verbindung zur gleichen
Zeit genutzt werden; die maximale "Breite" eines Kanals und
die Gesamtanzahl der Kanäle ist jedoch durch physikalische Gegebenheiten
begrenzt (Übersprechen zwischen Kanälen).
-Wenn keine Daten übertragen werden, etwa in Gesprächspausen
bei der Telefonie, ist die Ressource trotzdem belegt.
Aus diesen Gründen wurde FDMA bei neueren Netzen durch digitale Kodierverfahren
ersetzt, die jedoch teilweise auf dem Grundprinzip der Unterteilung der
Frequenzen basieren.
4.4.2 TDMA
Time Division Multiple Access
Die maximal mögliche Teilnehmerzahl der deutschen D-Netze war ursprünglich
auf jeweils vier Millionen Teilnehmer begrenzt. Neben der Verdichtung
der Abdeckung mit Funkmasten und der damit einhergehenden Verkleinerung
der Mobilfunkzellen wurde vor allem mit der TDMA-Technik eine höhere
Anzahl von Kunden möglich.
Das digitale Kodierverfahren Time Division Multiple Access ermöglicht
die mehrfache Nutzung eines Frequenzkanals durch die Unterteilung in Zeitschlitze;
in einem Round-Robin-Verfahren nutzen verschiedene Teilnehmer hintereinander
den Funkkanal.
Unter anderem wird TDMA in den GSM-Netzen verwendet. So können im
GSM gleichzeitig acht Endgeräte eine Frequenz benutzen, indem jedes
Gerät für eine Dauer von 577 Mikrosekunden sendet und dann den
Kanal für die siebenfache Zeitdauer anderen Teilnehmern überläßt.
Im "eigenen" Timeslot werden die Daten der vergangenen acht
Perioden gesendet, wodurch die begrenzte Anzahl der Frequenzen besser
genutzt wird.
Auch im D-AMPS-System, dem digitalen Nachfolger der im amerikanischen
und pazifischen Raum verbreiteten AMPS-Systeme, wird das TDMA-Verfahren
benutzt.
Ein Vorteil von TDMA ist die Kompatibilität zu anderen Verfahren:
es lässt sich auf bestehende FDMA-Kodierungen aufsetzen, und TDMA-Netze
lassen die Aufrüstung auf die Zwischentechnologie EDGE zu. Doch der
wichtigste Nachteil von FDMA bleibt: die Ressource ist auch in Pausen
belegt, obwohl keine Daten übertragen werden. Hinzu kommt, dass die
notwendige Synchronisierung zwischen den Geräten relativ aufwändig
ist.
4.4.3 CDMA
Code Division Multiple Access
Unter den vorgestellten Verfahren zur mehrfachen Nutzung einer Frequenz
ist CDMA bei weitem das komplexeste. Das Grundprinzip beruht darauf, dass
zwischen Stationen übertragene Datenpakete mit einer Adress-Kennzeichnung
versehen werden, die den jeweiligen Empfänger bestimmt. Dadurch wird
die begrenzte Bandbreite immer optimal genutzt.
Während bei FDMA alle Sender zwar zur gleichen Zeit, jedoch auf
verschiedenen Frequenzen senden und bei TDMA nur eine Frequenz zu unterschiedlichen
Zeiten belegt wird, senden bei CDMA alle Sender gleichzeitig. Sender und
Empfänger "erkennen" sich dadurch, dass das Nutzsignal
mit einem für beide Seiten bekannten Signal, dem sogenannten Pseudorauschen
(PN, Pseudo Noise), multipliziert wird. Weil das Pseudorauschen eine 100-
bis 1000-mal höhere Frequenz hat als das Nutzsignal, kann aus dem
vermischten empfangenen Signal beim Empfänger wieder das Nutzsignal
gefiltert werden.
Verglichen wird diese Technik mit Gesprächen auf einer Party: obwohl
zwei Gesprächspartner von weiteren lauten Gesprächen umgeben
sind können sie sich gut unterhalten, da jeder die Stimme und Sprachcharakteristik
des anderen kennt und diese aus dem "Umgebungsrauschen" ausfiltern
kann.
CDMA bietet eine weit bessere Ausnutzung der Luftschnittstelle als alle
anderen Verfahren. Ein weiterer Vorteil ist die einfachere Erweiterung
der Netze: zusätzliche Masten können im gleichen Frequenzband
arbeiten, wenn durch eine einfache Verringerung der Sendeleistung die
Zellen verkleinert werden. Und weil die Geräte auf weit geringere
Unterschiede im Frequenzband ausgelegt sind - das Prinzip besteht schließlich
in der Nutzung des Rauschsignals - können weit geringere Abstrahlleistungen
genutzt werden.
Der große Nachteil von CDMA sind die damit verbundenen Kosten: die
CDMA-Technik in den Geräten ist etwa doppelt so teuer wie die in
den bisherigen TDMA-Handys, und bei der Funktechnik der Netzbetreiber
wird mit drei- bis viermal höheren Kosten gerechnet.
CDMA ist die Grundlage von fast allen Mobilfunkstandards der 3.Generation,
so auch von UMTS und den amerikanischen Standards cdmaOne und cdma2000:
1999 legte die International Telecommunications Union CDMA als Industriestandard
für die 3G-Systeme fest. Das CDMA-Verfahren wurde maßgeblich
von Qualcomm entwickelt.
4.4.4 Auf CDMA aufbauende Verfahren
W-CDMA / Wideband-CDMA / FDD
Wideband Code Division Multiple Access / Frequency Division Duplex
W-CDMA basiert auf dem CDMA-Verfahren, das hier auf ein sehr breites Frequenzband
angewandt wird. Insgesamt erhöht W-CDMA die Nutzungskapazität
eines Frequenzbandes mindestens um den Faktor 10, so dass sich mehrere
hundert UMTS-Kanäle gleichzeitig ein Frequenzband von fünf Megahertz
teilen können.
WCDMA gehört ebenfalls zu den im IMT-2000 für UMTS festgelegten
Übertragungsstandards. Diese Technologie wird vor allem beim Übergang
von GSM zu UMTS in Europa eingesetzt werden und bietet gleichzeitig relativ
hohe Bandbreiten bei großer Reichweite.
TD-CDMA / TDD
Time Division - Code Division Multiple Access / Time Division Duplex
Zusätzlich zu WCDMA soll im UMTS auch vor allem in Europa das TDD-Verfahren
eingesetzt werden. Bei TD-CDMA wird das TDMA-Verfahren mit dem Codeorientierten
CDMA verbunden. Dieses äußerst komplexe Technik wird vor allem
in Profilen wie "High Multimedia" zum Einsatz kommen, also dann,
wenn höchste Datenraten bei niedrigen Geschwindigkeiten der Endgeräte
gefordert sind.
cdmaOne
cdmaOne wird heute in Nordamerika, Korea und Japan eingesetzt und basiert
auf dem CDMA-Verfahren. In den Ländern, in denen cdmaOne eingesetzt
wird, lassen sich die Netze auf den Breitband-Standard cdma2000 aufrüsten.
cdma2000
cdma2000 baut auf bestehenden cdmaOne-Netzen auf und erreicht erst durch
Bündelung von drei Kanälen volle UMTS-Datenraten. Diese Technik
ist in einigen Ländern besonders wegen der Abwärtskompatibilität
zu cdmaOne interessant.
4.5 Übergangstechnologien
Zusammenfaßt werden die Migrationstechnologien zu 3G mit der Bezeichnung
'2.5G'. Zwei bereits heute verfügbare Zugangstechnologien sind HSCSD
(High Speed Circuit Switched Data) und GPRS (General Packet Radio Service),
die von den Mobilfunkbetreibern 2001 in Deutschland eingeführt wurden.
Beide Technologien zielen auf den Bereich der Datenübertragung und
basieren auf der GSM-Technik. Sie werden überwiegend durch Software-Updates
der Basisstationen und Endgeräte mit neuen Funktionen realisiert.
Der Geschwindigkeitsfaktor gegenüber GSM beträgt im Idealfall
das zehn- bis zwanzigfache.
Neben der günstigen Erweiterung der bestehenden Netze bieten beide
Techniken einen weiteren Vorteil: die Flächendeckung wird der heutigen
GSM-Versorgung entsprechen.
4.5.1 HSCSD
High Speed Circuit Switched Data
Bei HSCSD wird eine Erhöhung der Datenrate durch die Bündelung
von bis zu vier GSM-Kanälen erreicht - das Ergebnis sind bis zu 57,6
kBit/s, was analogen Modemverbindungen entspricht. Dazu ist seitens der
Betreiber keine neue Hardware erforderlich; HSCSD kann durch Softwareupdates
der Vermittlungen implementiert werden. Doch für die Nutzung sind
neue Endgeräte notwendig. Highend-Telefone wie das Siemens S40 sowie
Nokia 6210/6250 unterstützen diese Technik bereits; die Nutzung findet
mit diesen Geräten in Verbindung mit PDAs oder angeschlossenen Notebooks
statt.
Dabei ist der Stromverbrauch und die Wärmeentwicklung beim Handy
immens, da gleichzeitig mehrere Verbindungen aufgebaut werden. Ein weiterer
Nachteil ist die Leitungsvermittlung. Doch die Preisgestaltung der deutschen
Anbieter ist interessant: HSCSD-Zugang wird in Deutschland zu normalen
Gesprächspreisen bei einer nur 0,99 Euro höheren Grundgebühr
angeboten.
4.5.2 GPRS
General Packet Radio Service
Im Gegensatz zu HSCSD arbeitet GPRS paketvermittelt, bietet also echte
"always-on"-Funktionalität und den Betreibern "Ressource
on demand". GPRS integriert IP und wird bei den Netzbetreibern ebenfalls
als Erweiterung der GSM-Systeme realisiert.
Auch hier können mehrere GSM-Kanäle gebündelt werden;
die Anzahl der Kanäle ist von der freien Netzkapazität und dem
Endgerät abhängig. Typischerweise wird eine asymetrische Übertragung
verwendet, die Handyhersteller haben "4+2"-Geräte angekündigt,
mit denen bis zu vier Kanäle für den Download (53,6kBit/s) und
zwei Kanäle für den Upload (26,8kBit/s) nutzbar sein werden.
Technisch machbar wären Geschwindigkeiten bis zu 384kBit/s, was schon
dem zweitschnellsten UMTS-Serviceprofil "Medium Multimedia"
entspräche.
Es sind wie bei HSCSD neue Endgeräte erforderlich; das erste GPRS-fähige
Telefon ist das Motorola Timeport 260. Im Gegensatz zu HSCSD ist GPRS
jedoch erstaunlich teuer - D2-Vodafone berechnet (ohne zusätzliche
Grundgebühr) 0,351 Euro je angefangene 10 kByte Daten zuzüglich
0,016 Euro je angefangener Stunde online. Beim einer voll ausgelasteten
"3+1"-Verbindung, die im Downstream 40,2kBit/s und damit über
300kByte/Minute bietet, betragen die Kosten dann satte 11 Euro pro Minute;
die Anzeige der HPI-Web-Einstiegsseite würde fast 1,80 Euro kosten.
Nach einer Anpassung der Tarife wird vor allem GPRS auch noch lange nach
der Einführung von UMTS interessant sein. Dafür sprechen die
hohe Verfügbarkeit, die der GSM-Abdeckung entspricht, das "always-online"
und die Integration der IP-Plattform. Mit der Einführung von UMTS
werden dann wegen der verbesserten Übertragungstechnik zwischen Mast
und Endgerät vor allem schnellere Übertragungen möglich
sein.
4.5.3 EDGE / E-GPRS
Enhanced Data Rates for GSM Evolution / Enhanced GPRS
EDGE ist eine weitere Möglichkeit, die Übertragungsraten mit
der bestehenden Technik zu erhöhen. Das Verfahren ist eine Erweiterung
von GPRS und bietet dieselben Vorteile; es soll mit den heutigen GSM-Frequenzen
arbeiten und wie GPRS mehrere Kanäle bündeln. Der Unterschied
zum 'normalen' GPRS ist eine verbesserte Kodierung der zu übertragenden
Daten, wodurch pro Kanal statt 14,4kBit/s wie im herkömmlichen GSM
48kBit/s übertragen werden können - eine Verdreifachung der
Nutzdatenrate bei gleicher Ressourcenbelegung. In Verbindung mit der Kanalkopplung
werden Datenraten von 384kBit/s möglich.
EDGE stellt die Verbindung der bisherigen GSM-Technologie mit neuen Entwicklungen
zur Kanalbündelung und modernen Kodierungsverfahren von UMTS dar.
Zusätzliche Hard- und Software-Investitionen sowie ein leichter Ausbau
der Basisstationen ermöglichen eine maximal etwa 40-fache Steigerung
der GSM-Übertragungsrate. Mit dieser recht hohen Datenübertragungsgeschwindigkeit
wird sich EDGE wie GPRS auch langfristig als Ergänzung zu UMTS eignen.
Zusätzlich wird EDGE auch langfristig das Portfolio derjenigen Betreiber
erweitern, die nicht im Besitz von UMTS-Lizenzen sind - in Deutschland
hat sich beispielsweise debitel aus den Versteigerungen der Frequenzen
zurückgezogen. Die Erweiterung auf die EDGE-Technik bietet sich für
jedes TDMA-basierte Funknetz an, zum Beispiel auch für das in den
USA verbreitete AMPS.
4.5.4 WAP
Wireless Application Protocol
Mit WAP sind Online-Verbindungen ins Internet möglich, wobei jedoch
nur speziell aufbereitete Internet-Seiten dargestellt werden können.
Zum Einsatz kommt die Markup-Sprache WML, die Inhalte müssen also
speziell aufbereitet werden. Die WML-Seiten werden von speziellen Servern
bereitgestellt und können über besondere Gateways (diese stehen
im Allgemeinen bei den Netzbetreibern) abgerufen werden.
Trotz einem mittlerweile recht umfangreichen Angebot dieser speziellen
Seiten - beispielsweise werden Homebankingsysteme und Chats angeboten
- ist das 1999 mit hohem Marketingaufwand eingeführte WAP nicht erfolgreich.
Dies liegt zum Einen an den niedrigen Datenraten und hohen Gebühren,
zum Anderen aber auch daran, dass die Nutzer offenbar auch normale Webseiten
und -dienste nutzen wollen. Hinzu kommt ein grundlegendes Problem der
verschiedenen Mobilfunk-Datendienste: die Eingabe auf einer winzigen Zehnertastatur
und die Ausgabe auf einem wenige Quadratzentimeter großen Display
kommt dem Nutzungskomfort nicht entgegen, es dauert den Leuten schlichtweg
zu lange.
WAP könnte sich mit neuen Endgeräten trotzdem noch durchsetzen:
die Nutzung von WAP ist auch über die neuen Systeme mit hohen Datenübertragungsraten
möglich.
4.6 Geschwindigkeiten im UMTS
Die höchste mögliche Übertragungskapazität im UMTS
ist mit 2MBit/s den GSM-Systemen um den Faktor 200 und einem ISDN-Kanal
um Faktor 30 überlegen.
Die folgende Übersicht stellt einen Vergleich der mit verschiedenen
Techniken möglichen Geschwindigkeiten und die für verschiedene
Datenübertragungen erforderlichen Kapazitäten dar.
| GSM Datenübertragung |
9.6 |
kBit/s |
| Analogmodem - Download maximal |
56 |
kBit/s |
| Euro-ISDN - ein Kanal |
64 |
kBit/s |
| Euro-ISDN - zwei Kanäle |
128 |
kBit/s |
| T-DSL der Deutschen Telekom - Download |
768 |
kBit/s |
| UMTS-High-Multimedia-Profil |
2000 |
kBit/s |
| Maximale Downloadrate über eine Kupferleitung - asymmetrisches
DSL |
8000 |
kBit/s |
| Datenanbindung der Universität Potsdam ans Internet - ATM OC3 |
155000 |
kBit/s |
| |
| Faxübertragung analog typisch |
9.6 |
kBit/s |
| Sprachdienste im GSM |
14.4 |
kBit/s |
| Sprachdienste in 3G-Netzen |
16 |
kBit/s |
| Faxübertragung digital typisch |
64 |
kBit/s |
| Audio nahe CD-Qualität - MP3-Kompression typisch |
128 |
kBit/s |
| Video nahe Fernsehqualität - MPEG-Kompression typisch |
1200 |
kBit/s |
| Audio in CD-Qualität - ohne Kompression |
1400 |
kBit/s |
Ein großer Vorteil von UMTS besteht darin, dass in Abhängigkeit
von der Anwendung und der Verfügbarkeit verschiedene "Service-Profile"
zum Einsatz kommen werden. Diese reichen von der Übertragung von
Kurznachrichten mit 14.4kBit/s bis hin zum Profil mit der höchsten
Bandbreite: "High Multimedia" mit 2000kBit/s. In Abhängigkeit
vom Serviceprofil kann ein leitungs- oder paketvermittelnder Übertragungsmodus
verwendet werden.
Hier eine Auflistung der für IMT-2000 vereinbarten Serviceprofile:
| Dienst |
Bandbreite |
Übertragungsmodus |
| Simple Messaging |
14,4 |
kBit/s |
paketvermittelt |
| Switched Data |
14,4 |
kBit/s |
leitungsvermittelt |
| Voice |
16 |
kBit/s |
leitungsvermittelt |
| High Interactive Multimedia |
128 |
kBit/s |
leitungsvermittelt |
| Medium Multimedia |
384 |
kBit/s |
paketvermittelt |
| High Multimedia |
2000 |
kBit/s |
paketvermittelt |
Allerdings sind die Serviceprofile mit hohen Datenraten nur mit Einschränkungen
nutzbar: 2000kBit/s werden nur in eng begrenzten Gebieten, sog. Hotspots,
verfügbar sein. Hinzu kommt, dass die maximale Bewegungsgeschwindigkeit
des Nutzers dann nur 6km/h betragen darf.
Für die Telefonie wird im UMTS nur eine Kapazität von 16 Kilobit/Sekunde
bereitstehen. Die Sprachqualität wird aber wegen weit besserer Kodieralgorithmen
als im GSM deutlich höher sein.
Wenigstens in Deutschland werden bei der Einführung von UMTS die
tatsächlich verfügbaren Datenraten allerdings weit unter der
technisch maximal machbaren Kapazität liegen. Die Anbieter werden
zunächst nur Raten von maximal 384kBit/s anbieten - und diese auch
nur für den quasistationären Betrieb.
4.7 Weitere Vorteile der 3G-Systeme
Außer den hohen Datenübertragungsraten sollen die 3G-Netze
auch andere Einschränkungen der heutigen Systeme der zweiten Generation
überwinden.
Weltweites Roaming
UMTS ist Bestandteil der Vision "IMT-2000". Es soll erstmalig
einen einzigen weltweiten Standard in der Mobiltelefonie ermöglichen.
Durch weltweit gleiche Frequenzen wird es dann möglich sein, auch
außerhalb Europas mit dem eigenen Endgerät zu kommunizieren
und Datendienste zu nutzen. Weiterhin werden UMTS-Endgeräte auch
rückwärtskompatibel zu bestehenden Netzen sein (Multimode-Geräte)
und damit auch die Nutzung etwa von heute aktiven Systemen in den USA
und Asien ermöglichen. Multimode-Geräte werden auch notwendig
sein, weil sich in den USA voraussichtlich der Funkstandard cdma2000,
in Europa dagegen W-CDMA und TD-CDMA durchsetzen werden.
Nachrichtendienste
Ein Nachteil des Kurznachrichtendienstes SMS in den GSM-Netzen besteht
in der Begrenzung auf 160 Nutzzeichen. Diese Beschränkung wird mit
neuen Nachrichten- und Datendiensten in den Mobilfunksystemen der nächsten
Generation überwunden.
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