9. Fazit
Mittlerweile haben alle deutschen Mobilfunkbetreiber, die im Besitz einer
UMTS-Lizenz sind, ihre Testnetze aufgebaut und bereiten sich auf die Markteinführung
vor.
In Japan dagegen hat die Vermarktung des neuen Standards UMTS schon begonnen.
Eine Meldung aus dem Newsletter "Billiger Telefonieren" der
netzquadrat GmbH, Düsseldorf:
o UMTS: Weltweit erstes Netz aktiv
Trotz technischer Probleme beim Start des weltweit ersten UMTS-Netzes
haben sich Mobilfunk-Begeisterte am Montag (1. Oktober) in Tokio auf
die neuen Geräte gestürzt. Zum Auftakt des kommerziellen Betriebs
beim Betreiber NTT Docomo setzten ausgewählte Geschäfte innerhalb
eines Vormittages 730 UMTS-Geräte ab.
Der erste UMTS-Dienst namens "Freedom of Mobile Multi-Media Access"
(Foma) ist zunächst nur in einem Umfeld von 30 Kilometern um das
Zentrum Tokios und in einigen anderen Gebieten der japanischen Hauptstadt
verfügbar. Die ersten Nutzer von UMTS können mit den Geräten
im Internet surfen, E-Mails empfangen und bewegte Bilder von ihren Gesprächspartnern
sehen. Die Apparate können zudem zum Fotografieren und zum elektronischen
Spielen eingesetzt werden. Das eigentlich zum UMTS-Angebot zählende
Herunterladen von Musik und Videoclips soll frühestens in der ersten
Hälfte des kommenden Jahres möglich sein.
(01.10.2001/ur)
Bis es dazu kommen konnte waren viele Schwierigkeiten zu meistern - diese
waren nicht nur technischer Natur, sondern auch im Bereich der Standardsetzung
und der IPR angesiedelt. Erschwert wurden diese Entwicklungen zum Teil
durch wettbewerbspolitische Implikationen, wie das einleitende Beispiel
"Ericsson vs. Qualcomm" aufzeigt. An diesem Beispiel wird auch
deutlich, wie wichtig Patente und ihre Organisation im Standardisierungsprozess
sind, denn, wie bereits zu Anfang ausgeführt, bedeuten Patente auch
Marktmacht. Firmen, die mehr Patente besitzen, bestimmen den Standardisierungsprozess
auch stärker. Laut Florian Kreutz von der Firma Siemens haben sich
dennoch alle Beteiligten bemüht, einen Konsens zu finden: "Die
Branche hat erkannt, dass sie an einem Strang ziehen muss und niemand
eigene proprietäre Techniken durchdrücken kann." (Computerzeitung,
Nr. 47/2001 S.1). Ein besonderer Ausdruck dieses gemeinsamen Bestrebens
ist die geplante Einrichtung der 3G Patents Platform, die, wenn sie denn
irgendwann ihre Arbeit aufnehmen kann, vor allem den Technologieherstellern
durch den einheitlichen Lizenzvertrag viel an Lizenzgebühren sparen
kann. Was wiederum wegen geringeren Kosten dem gesamten zukünftigen
Mobilfunkmarkt zu Gute kommen wird, denn Patente waren und sind bei der
gegenwärtig marktführenden GSM-Technologie ein bedeutender Kostenfaktor.
Hier wird deutlich, dass alle Beteiligten bestrebt sind UMTS weltweit
zum Erfolg werden zu lassen, ohne aber gleichzeitig ihre eigenen Ziele
aus dem Auge zu verlieren.
Ob UMTS jedoch ein kommerzieller Erfolg wird, wird von den Kunden abhängen.
Selbst wenn die Leistungsfähigkeit der Technik die Vorstellungen
vollständig erfüllt ist unklar, inwieweit überhaupt ein
Bedarf an UMTS besteht. Die existierenden 2G-Netze vor allem in Europa
sind gut ausgebaut, GSM ist marktführend und wird für die Kunden
immer günstiger, ISDN und xDSL stehen für High-Speed-Internet-Zugänge
längst bereit. Wenn sich UMTS in einem insgesamt schwierig gewordenen
Marktumfeld durchsetzen soll, muss es entweder einen starken Mehrnutzen
für die Kunden bieten, wie z.B. die Bereitstellung ortsgebundener
Informationsdienste, oder sehr günstig sein: es wird schwer werden,
die Kunden von den Zusatzdiensten zu überzeugen, wenn die Preise
nicht stimmen. Dazu kommt, dass bislang keine "Killer Application"
identifiziert wurde, so wie SMS bei GSM - Videotelefonie und das Lesen
von Emails im Freien werden das wohl eher nicht sein. Aufgrund der hohen
initialen Kosten durch die Versteigerung der für UMTS notwendigen
Frequenzbänder in einigen europäischen Ländern wird es
für die Netzbetreiber schwer, in der noch bis zum nächsten Mobilfunkstand
verbleibenden Zeit ihre Kosten wieder zu erwirtschaften. Sollte sich UMTS
nicht durchsetzen, dann droht laut der Hypovereinsbank "aufgrund
der enormen Bankkredite eine gesamtwirtschaftliche Rezession". Deshalb
und nicht zuletzt auch wegen des Kostendrucks waren die Technologiehersteller
zu großen finanziellen Zugeständnissen an die Netzbetreiber
und zur Schaffung einer gemeinsamen Lizenzierungsmethode bereit..
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