Entwicklung von UMTS-
Standards und Patente für die nächste Mobilfunkgeneration
HPI Potsdam, www.hpi.uni-potsdam.de
Integrierter Wettbewerb für Softwaresysteme II: Standards, Monopole, Patente
WS 2000/2001, Dipl.-Inform. Michael Strerath
Einleitung    Gruppen    Markt    Technologien    Patente    Standardisierungsgremien    Lizenzierung     Implikationen    
Gliederung    Fazit    Glossar    Quellen    Literatur   
 
 

9. Fazit


Mittlerweile haben alle deutschen Mobilfunkbetreiber, die im Besitz einer UMTS-Lizenz sind, ihre Testnetze aufgebaut und bereiten sich auf die Markteinführung vor.

In Japan dagegen hat die Vermarktung des neuen Standards UMTS schon begonnen. Eine Meldung aus dem Newsletter "Billiger Telefonieren" der netzquadrat GmbH, Düsseldorf:


o UMTS: Weltweit erstes Netz aktiv

Trotz technischer Probleme beim Start des weltweit ersten UMTS-Netzes haben sich Mobilfunk-Begeisterte am Montag (1. Oktober) in Tokio auf die neuen Geräte gestürzt. Zum Auftakt des kommerziellen Betriebs beim Betreiber NTT Docomo setzten ausgewählte Geschäfte innerhalb eines Vormittages 730 UMTS-Geräte ab.
Der erste UMTS-Dienst namens "Freedom of Mobile Multi-Media Access" (Foma) ist zunächst nur in einem Umfeld von 30 Kilometern um das Zentrum Tokios und in einigen anderen Gebieten der japanischen Hauptstadt verfügbar. Die ersten Nutzer von UMTS können mit den Geräten im Internet surfen, E-Mails empfangen und bewegte Bilder von ihren Gesprächspartnern sehen. Die Apparate können zudem zum Fotografieren und zum elektronischen Spielen eingesetzt werden. Das eigentlich zum UMTS-Angebot zählende Herunterladen von Musik und Videoclips soll frühestens in der ersten Hälfte des kommenden Jahres möglich sein.
(01.10.2001/ur)


Bis es dazu kommen konnte waren viele Schwierigkeiten zu meistern - diese waren nicht nur technischer Natur, sondern auch im Bereich der Standardsetzung und der IPR angesiedelt. Erschwert wurden diese Entwicklungen zum Teil durch wettbewerbspolitische Implikationen, wie das einleitende Beispiel "Ericsson vs. Qualcomm" aufzeigt. An diesem Beispiel wird auch deutlich, wie wichtig Patente und ihre Organisation im Standardisierungsprozess sind, denn, wie bereits zu Anfang ausgeführt, bedeuten Patente auch Marktmacht. Firmen, die mehr Patente besitzen, bestimmen den Standardisierungsprozess auch stärker. Laut Florian Kreutz von der Firma Siemens haben sich dennoch alle Beteiligten bemüht, einen Konsens zu finden: "Die Branche hat erkannt, dass sie an einem Strang ziehen muss und niemand eigene proprietäre Techniken durchdrücken kann." (Computerzeitung, Nr. 47/2001 S.1). Ein besonderer Ausdruck dieses gemeinsamen Bestrebens ist die geplante Einrichtung der 3G Patents Platform, die, wenn sie denn irgendwann ihre Arbeit aufnehmen kann, vor allem den Technologieherstellern durch den einheitlichen Lizenzvertrag viel an Lizenzgebühren sparen kann. Was wiederum wegen geringeren Kosten dem gesamten zukünftigen Mobilfunkmarkt zu Gute kommen wird, denn Patente waren und sind bei der gegenwärtig marktführenden GSM-Technologie ein bedeutender Kostenfaktor. Hier wird deutlich, dass alle Beteiligten bestrebt sind UMTS weltweit zum Erfolg werden zu lassen, ohne aber gleichzeitig ihre eigenen Ziele aus dem Auge zu verlieren.

Ob UMTS jedoch ein kommerzieller Erfolg wird, wird von den Kunden abhängen. Selbst wenn die Leistungsfähigkeit der Technik die Vorstellungen vollständig erfüllt ist unklar, inwieweit überhaupt ein Bedarf an UMTS besteht. Die existierenden 2G-Netze vor allem in Europa sind gut ausgebaut, GSM ist marktführend und wird für die Kunden immer günstiger, ISDN und xDSL stehen für High-Speed-Internet-Zugänge längst bereit. Wenn sich UMTS in einem insgesamt schwierig gewordenen Marktumfeld durchsetzen soll, muss es entweder einen starken Mehrnutzen für die Kunden bieten, wie z.B. die Bereitstellung ortsgebundener Informationsdienste, oder sehr günstig sein: es wird schwer werden, die Kunden von den Zusatzdiensten zu überzeugen, wenn die Preise nicht stimmen. Dazu kommt, dass bislang keine "Killer Application" identifiziert wurde, so wie SMS bei GSM - Videotelefonie und das Lesen von Emails im Freien werden das wohl eher nicht sein. Aufgrund der hohen initialen Kosten durch die Versteigerung der für UMTS notwendigen Frequenzbänder in einigen europäischen Ländern wird es für die Netzbetreiber schwer, in der noch bis zum nächsten Mobilfunkstand verbleibenden Zeit ihre Kosten wieder zu erwirtschaften. Sollte sich UMTS nicht durchsetzen, dann droht laut der Hypovereinsbank "aufgrund der enormen Bankkredite eine gesamtwirtschaftliche Rezession". Deshalb und nicht zuletzt auch wegen des Kostendrucks waren die Technologiehersteller zu großen finanziellen Zugeständnissen an die Netzbetreiber und zur Schaffung einer gemeinsamen Lizenzierungsmethode bereit..




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